Donnerstag, 24. Mai 2018

Biologisches Holzöl-Hartwachsöl selber herstellen - Einfaches Rezept zum selber machen

In einem anderen Artikel haben wir ja schon gezeigt, wie du eine Bienenwachspolitur für Treibholz selber herstellen kannst. Aber für Natur- und Massivholz ist Bienenwachs nicht unbedingt die beste Lösung. Für diese Hölzer sind Holzöle oder Hartwachsöl-Mischungen geeigneter. Und natürlich haben wir auch dafür ein bewährtes Rezept....



Warum Holzöl oder Hartwachsöl für Massivholz die richtige Wahl ist


Apfelholz eingelassen mit einem Hartwachsöl
Während Treibholz "nur grau ist", lebt Natur oder Massivholz von seinen Gelb- und Brauntönen. 

Ein Bienenwachsmischung fördert diese Farbunterschiede nicht besonders. Fachmännisch sagt man, dass Bienenwachs nicht anfeuert.

Ein Öl hingegen feuert das Holz an und sorgt dafür, dass das Holzbild sehr kontrastreich wird.

Öl alleine ist aber oft sehr dünnflüssig und wird vom Holz aufgesaugt und bildet oft keine polierbare Oberfläche. Deshalb werden dem industriellen Holzöl oder Hartwachsöl Wachse hinzugefügt. Dadurch lässt sich die Holzfläche besser polieren und wird zudem widerstandsfähiger.

Welche Öle und Wachse eignen sich zur Holzbehandlung


Nicht alle Öle und Wachse eignen sich für die Herstellung von Hartwachsölen. Des Weiteren ist es ein Anliegen von uns, möglichst nur natürliche Stoffe zu verarbeiten.

Wachse, die sich für die Holzöl Herstellung eignen


Im folgenden Abschnitt zählen wir ein paar Wachse auf, die wir selber getestet haben. Wahrscheinlich gibt es noch weitere Wachse. Aber mit folgendem haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.

Öle und Wachse für die Holzöl-Herstellung

Bienenwachs


Bienenwachs ist der Klassiker unter den Holzwachsen. Es ist ein komplett natürlicher Stoff, der im Bienenstock von den Bienen produziert wird. Der Schmelzpunkt liegt bei etwa 61 - 65 °C. Das Wachs bekommst du gereinigt als Block direkt beim Imker oder als Pastillen. Farblich variiert das Naturprodukt von einem kräftigen Gelb bis Weiß.
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Carnaubawachs

Carnaubawachs ist ein weiteres beliebtes Holzwachs. Es hat einen höheren Schmelzpunkt von 82 - 86 °C. Zudem ist es etwas härter als Bienenwachs. Carnaubawachs ist ebenfalls ein 100 % natürlicher Stoff. Das Wachs stammt von der Carnaubapalme, die hauptsächlich in Brasilien wächst. Farblich erhälst du das Wachs in Farbtönen von Weiß bis Gelb. Carnaubawachs ist etwas teurer als Bienenwachs und wird hauptsächlich als Pastillen vertrieben.
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Candelillawachs

Das Candelillawachs stammt vom Candelillabusch aus Mexiko. Da das Wachs aber im Moment nur mit Einfuhrbestimmungen (CITES-Zertifikat) gehandelt werden darf, möchten wir hierfür keine Verkaufsquelle nennen.

Paraffinwachse

Paraffinwachse sind Wachse, die industriell - meistens aus Erdöl - hergestellt werden. Wir führen diese Wachse nur auf, da der ein oder andere alte Kerzenstmpen zu Hause hat. Wenn diese Farblos (Weiß) sind, können diese natürlich ebenfalls zur Holzöl-Herstellung verwendet werden.

Öle, aus denen sich Hartwachsöl-Mischungen machen lassen


Nussöle sind lebensmittelecht und perfekt für Schneidebretter geeignet
Genauso wie bei den Wachsen führen wir auch hier nur ein paar Öle auf, mit denen wir gute
Erfahrungen gemacht haben.

Nussöle

Am Besten geeignet für die Herstellung von Holzölen sind Nussöle. Diese Öl härten an der Luft komplett aus und bilden eine Schutzschicht auf dem Holz. Folgende Nussöle sind dafür sehr gut geeignet.

  • Erdnussöl, ist unser Favorit. Es ist preiswert und hat wenig Gelbanteile
  • Walnussöl ist teurer und kann auch leichter ranzig werden
  • Haselnussöl ist schwer erhältlich, hat aber ebenfalls gute Eigenschaften

Andere natürliche Öle

Neben den Nussölen gibt es noch weitere bekannte Öle, die du einer Holzölmischung zufügen kannst. Folgende Öle sind das.

  • Leinöl(-firnis) ist ein sehr bekanntes Öl, dass aus Leinsamen hergestellt wird und das Holz sehr gut schützt.
  • Tungöl wird aus Samen des asiatischen Tungbaumes hergestellt und wird sehr gern von Drechslern verwendet.
  • Sesamöl ist relativ unbekannt in der Holzbearbeitungsszene, kann aber ebenfalls beigemischt werden.

Nicht alle (Speise-)Öle eignen sich für ein Hartwachsöl


Nicht alle Speiseöle eignen sich für Holz
Wie du sicherlich festgestellt hast, findest du viele der vorgestellten Rohöle in der Speiseabteilung eines Supermarkts.

Zudem hört man oft in der Holzszene von einer Holzbehandlung mit Oliven-, Sonnenblumen-, oder Rapsöl.
Also warum eignen sich dann diese Öle nicht zur Hartwachsöl-Herstelltung?

Ganz einfach, diese Öle sind keine (komplett) aushärtenden Öle. Und das ist der springende Punkt. Da die Öle nicht aushärten, bekommst du im besten Fall eine fettige Oberfläche. Dass das nicht hygenisch ist, erklärt sich von selbst.
Viel schlimmer ist es aber, dass der nicht ausgehärtete Teil des Öls mit Sauerstoff reagiert und ranzig wird. Wenn das eingetroffen ist, werden deine Holzstücke zum Stinken oder Schimmeln anfangen. Oft hilft dann nur noch der Weg zur Tonne.

Die andere Gruppe die wir für ungeeignet halten sind Öle aus Erdölen. Das Motoren- und Getriebeöle völlig ungeeignet sind dürfte jedem klar sein. Doch es gibt bestimmt synthetisch hergestellte Öle speziell für die Holzbehandlung. Jedoch verzichten wir beim Naturprodukt Holz weitgehend auf  Chemie und synthetische Stoffe. Deshalb haben wir in diesem Bereich auch kein Wissen, das wir dir weitergeben können bzw. wollen.

So kannst du ein Hartwachsöl selber herstellen


Im Folgenden stellen wir dir ein Grundrezept für eine Hartwachsöl-Mischung vor. Die Konsistenz ist dabei nicht flüssig, sondern eher wie von weicher Schuhcreme. Willst du eine flüssigere Konsistenz, dann kannst du ruhig etwas mehr Öl nehmen.

Du darfst nur nicht zu viel Wachs durch Öl ersetzen, da sich sonst das Wachs nicht mehr mit dem Öl verbinden kann. Wenn du es dennoch flüssiger haben willst, dann füge etwas Terpentinöl bei. Damit kannst du deine Mischung dann beliebig verdünnen.

Zutaten die du für das Holzöl benötigst


In der Liste geben wir nur Öl und Wachs als Zutaten an. Du kannst die oben genannten Öle und Wachse aber beliebig untereinander mischen, insofern du das Verhältnis einhältst. Wir nehmen für unseres Hartwachsöl am Liebsten Erdnussöl und Bienenwachs.

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Das Öl mit dem Wachs vermischen - so gehst du dabei vor



Die fertige Mischung hat die Konsistenz von Schuhcreme
Das Rezept an sich ist relativ einfach.

1. Zuerst wird das Wachs geschmolzen. Dies funktioniert in einem Wasserbad auf dem Herd, direkt auf dem Grill oder einem Campingkocher.

2. Wenn das eine Teil Wachs geschmolzen ist, kannst du es in die zwei Teile Öl direkt reinschütten.

3. Während die Öl/Wachs-Mischung abkühlt, solltest du es immer wieder umrühren, damit sich die Komponenten gut vermischen.

4. Zum Schluss kannst du etwas Terpentinöl beifügen, um die Konsistenz flüssiger zu bekommen. Möchtest du eine richtig flüssige Lösung haben, kannst du auch etwas Terpentin während des Abkühlens schon ins Glas einfüllen.

In unseren Bienenwachs-Artikel gehen wir auf das Wachskochen noch etwas detaillierter ein. Dort findest du auch eine exakte Schritt für Schritt-Anleitung.

So trägst du das Hartwachsöl aufs Holz fachgerecht auf


Mit einer Bürste wird das Wachs auf Hochglanz poliert
Am Besten lässt sich die Ölmischung mit einem Baumwolltuch oder einem Küchenkrepp in kreisförmigen Bewegung auftragen. Ein Pinsel geht natürlich auch.

Es kann ruhig eine dünne Schicht auf dem Holz zurück bleiben, die du anschließend trocknen lässt.

Wenn die Schicht trocken ist, kannst du sie nämlich mit einer Bürste wunderbar aufpolieren. Das Holz bekommt so eine sehr schöne Optik und Haptik.

 Und das Beste, wenn die Wachs/Öl-Schicht mal stumpf wird im Laufe der Zeit, kannst du sie immer wieder mit einer Bürste erneut aufpolieren.

Links Hartwachsöl - Mitte Bienenwachs - rechts unbehandelt
Das war es heute zum Thema Hartwachsöl selber machen. Links im Bild siehst du nochmals den Unterschied von reiner Wachspolitur (Mitte) zum Hartwachsöl (links). Die Seite mit dem Öl wurde deutlich mehr angefeuert.

Wir hoffen, wir konnten dir heute wieder etwas zur Holzbehandlung beibringen und wünschen dir viel Spaß beim selber ausprobieren.


Hast du noch Fragen? Dann kontaktiere uns auf unseren FB-Seiten Holz Design Woodstoneart und Treibholzkunst Bodensee. Gerne kannst du uns auch in unserem YouTube-Kanal Gipfelholz über die Schultern schauen. Für Kommentare, Abos und Likes sind wir natürlich immer sehr dankbar.